U64

U64

Kapitän Robert Moraht

BERICHT VON ROBERT MORAHT
Korvettenkapitän von U64 und Autor des Buches über U64: „Werwolf der Meere“

„Das von mir befehligte U.-Boot U64 war am 17.Juni 1918 nachmittags 4 Uhr im Mittelmeer westlich Sizielien, etwa 40 Seemeilen, nordwestlich des Keith-Riffs. Bei sch[w]erem Wetter, Windstärke 7 bis 8 wurde ein östlich steuernder Konvoi angegriffen, der aus einem etwa 15000 t großem Dampfer mit vier Masten und einem Schornstein sowie etwas 4 weiteren Dampfern bestand. Gegen einen der kleineren Dampfer (etwa 3000 t) zum Schuß gekommen, Treffer Mitte. Darauf erhielt das Boot durch Wasserbombe eines britischen Geleitfahrzeuges (von etwa 2000 t, ein zur U.-Bootsabwehr Ende 1917 in England gebautes Fahrzeug vom Aussehen eines Frachtdampfers, Name, soviel ich später feststellen konnte, „Lychnis“) Leckagen im Achterschiff, die das Boot nach zwei Versuchen, unter Wasser zu entkommen, endgültig zum Auftauchen zwangen. (…) Nach ganz kurzer Zeit, – die Tauchtanks waren noch nicht völlig ausgeblasen, die Ölmaschinen noch nicht klar, – wurde das Boot plötzlich stark vorlastig und schnitt so schnell unter, daß es nicht mehr möglich war, das Turmluk zu schließen. Es ist möglich, daß das Boot zu der Zeit durch einen Granattreffer weiter leck geschlagen war. (…) Auf dem Turm befanden sich zu der Zeit außer mir die [W]ache, d.h. U.Steuermann Krüger, U.Btsmt. Klatt, U.Matrosen Fischer und Metze. Ich selbst bin vom Boot ein Stück mit hinabgerissen worden, verfing mich im Netzabweiser, kam aber schließlich frei.“

Kleiner Lebenslauf von Robert Moraht

geb. 7.9.1884
1901 Eintritt in die Marine
9.12.1911 Kapitänleutnant
12.11.1917 Pour le merité
1918 in britischer Kriegsgefangenschaft
1920-1930 Studium der Volkswirtschaft, Promotion
5.2.1920 Korvettenkapitän
31.7.1920 auf eigenen Wunsch verabschiedet
1933 schrieb er das Buch „Der Werwolf der Meere“ über U64
1939-1945 Hafenkapitän in Norwegen, Seekommandant in Bergen
Juli 1944 Inselkommandant Bornholm
Mai 1945-1948 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft
26.8.1956 verstorben

BtsmMt. Joseph Jüttemann

 Lebenslauf

1894 in Bischofferode am Harz geboren
„verwegene und draufgängerische“ Jugend in Mülheim a.d.Ruhr
Jospeh hatte acht Geschwister, alle groß gewachsen und nicht relativ sportlich.
Er selbst bildete eine Ausnahme, da er klein und beweglich war.
Ostern 1909 Schulabschluß
brach 1910 seine Maurerlehre ab
1911 versuchte er sich als Schornsteinfegerlehrling
1912-1915 Ausbildungszeit als Berufsmatrose bei der Marine
darunter Schiffsjungenzeit auf der SMS König  Wilhelm und SMS Vineta
sowie Matrosenausbildung auf der SMS König Wilhelm
1916-1918 BtsmMt. auf U64, beim Untergang ertrunken

Die Besatzung von U64 auf seiner letzten Fahrt

Kommandant
KvKp Robert Moraht (hat überlebt)

Wachoffiziere
OlzS Helmut Forberg
LzS D.von Krosigk
LzS B.von Suckow

Leitender Ingenieur 
M.O.Ing Franz Ammelt

Steuermann
StM Otto Krüger (hat überlebt)

Maschinist
Masch. Wackernager

Heizer
Heizer Heinrich Dams
OHeizer Johann Friederich
Heizer Heinrich Geithe
Heizer W. Herrmann
Heizer Heinrich Dams
OHeizer Johann Friederich
Heizer Heinrich Geithe
Heizer G. Jarnowski
OHeizer Adolf Klein
Heizer Paul Müller
OHeizer Mockenhaupt
OHeizer Karl Projahn
Heizer Schanzenbächer
OHeizer G.Wehrenberg

Lotse
Lotse Fischer (hat überlebt)

Besatzung
OBtsmMt G.Ballerstäst
Mtr E. Eisenbach
Mtr P. Ebersbach
MaMt Fr. Gutschalk
MaMt Wilhelm Hering
FTMaat A.Hegenrieder
Mtr Friederich Haupt
FTGast W. Hockwien
BtsmMt Joseph Jüttemann
MaMt Eugen Jörus
OBtsmMt G.Ballerstäst
Mtr E. Eisenbach
Mtr P. Ebersbach
MaMt Fr. Gutschalk
MaMt Wilhelm Hering
FTMaat A.Hegenrieder
Mtr Friederich Haupt
FTGast W. Hockwien
MaMt Eugen Jörus
BtsmMt Klatt
MaMt Hermann Krebs
MaMt Heinrich Maaser
OMtr Metze
OMtr&Smut Georg Miedtank (hat überlebt)
OBtsmMt Friederich Nicklas
Mtr Franz Noffke
Mtr Willi Pelzel
OMaMt W. Pranschka
MaschAn. Alexander Poetzsch
Mamt Hans Puteik
OMaMt Paul Pathke
Smut Ernst Rosenthal (hat überlebt)
MaMt Kurt Thiele
OMaMt W.Wiltberger
Technische Daten
  •  Typ: Zweihüllen-Hochsee-Boot U-63
  • Stapellauf: 29.2.1916
  • Werft: Germaniawerft Kiel, Baunummer 248
  • Indienststellung: 15.4.1916
  • Antrieb: 2 Dieselmotoren à 1100 PS / 2 Elektromotoren à 600 PS
  • Wasserverdrängung: über Wasser 810 t / unter Wasser 927 t
  • Geschwindigkeit: über Wasser 16,5 kn / unter Wasser 9,0 kn
  • Länge: 68,36 m (55,55 m buc de pressió)
  • Breite: 6,3 m (4,15 m)
  • Bewaffnung: 2 Bugrohre / 2 Heckrohre
  • Torpedos: 8
  • Artillerie: 2 x 8,8 cm
  • Einsätze: 10 Patrouillen
  • Einsatzorte: 31.5.1916 – 19.11.1916: IV. Flotte; 19.11.1916 – 17.6.1918: I. Mittelmeerflotte
  • Kriegerische Leistung: 45 Schiffe versenkt (insgesamt 132 166 Tonnen)
  • Kommandant: Robert Moraht
  • Besatzung: 4 Offiziere / 32 Mann / 7  weitere Besatzungsmitglieder
  • versenkt am: 17.6.1918
  • Letzte Position: 38°7’N; 12°27’O im Mittelmeer südöstlich von Sardinien
  • Tote: 38
  • Überlebende: 5

 

Das Schicksal von U64

U64 von der 1.Deutschen Unterseebootsflottille, Kommandant Kapitän Morath, ist am 10.Juni 1918 von Cattaro zum Handelskrieg nach dem westlichen Mittelmeer ausgelaufen und nicht zurückgekehrt. Nach hier vorligenden Angaben englischer Seeoffiziere ist U64 am 17.Juni 1918 im Mittelsmeer mittels Artillerie und Wasserbomben versenkt worden. Bestätigt und ergänzt werden diese Angaben durch folgende Nachricht des englischen Flottenhandbuchs „Fighting Ships“ (zusmmengestellt durch Francis E.Mc Murtrie, herausgegeben 1919 im Verlag von Jane): U64 vernichtet im Mittelmeer 17.Juni 1918. In der englischen Zeitung „Times“ vom 13.März 1921 wird über eine englische Prisengerichtsverhandlung u.a. folgendes berichtet: (…) 17.Juni 1918 begleiteten die Kriegsfahrzeuge „Lychnis“, „Partridge II“ einen Geleitzug im Mittelmeer, der von einem feindlichen U.-Boot angegriffen wurde. Wasserbomben nötigten den Feind zum Auftauchen, worauf die „Lychnis“ ihn rammte und „Partridge II“ ihn durch Geschützfeuer gänzlich vernichtete. Von der Mannschaft des Unterseebootes, das sich als „U64“ erwies, wurden der Kommandant, ein Deckoffizier und 3 Seeleute gerettet. (…) Von dem aus englischer Krieggefangenschaft zurückgekehrten Kommandanten von U64, Kapitänleutnant Robert Morath liegen folgende Angaben aus einer Verhandlung vom 17.Oktober 1919 vor. Ein Entweichen aus dem Bootsinnern war nicht möglich. U64 ist sogleich voll Wasser und sämtliche im Bootsinnern befindliche Personen (…), 37 Marineangehörige(…) sind mit Gewißheit sofort ertrunken. (…) Weiterhin berichtet der gleichfalls aus englischer Gefangenschaft zurückgekehrte U.Ob.Mtr.Karl Metze:“Keiner der Besatzung, welche in der Vermißtenliste angeführt sind, kam mehr an die Oberfläche des Wassers.“37 Seeleute, darunter Joseph Jüttemann, fanden den Tod.

Zitat des Benachrichtigungsschreibens für Angehörige der U64-Opfer des Zentralnachweis für Kriegsverluste der Marine, 1921

 

 

 

 

 
links: Besatzung von U64 (Mitte: Joseph Jüttemann)
 
 

 

 

Quellen

Bild von Robert Moraht: Michael Weise, U-Boot-Net