Svaté Kláry Prag

Svaté Kláry Prag

Svaté Kláry“ ist der Name eines Weinberges im Prager Ortsteil Troja. Dieses reizvolle Fleckchen Erde ist bekannt für das Schloss Troja am Moldau-Ufer, das Wenzel Adalbert Graf von Sternberg 1679–1685 als seine Sommerresidenz im Barockstil errichten ließ.
Direkt neben dem Schlosspark befindet sich der Zoologische Garten Prag und der Botanische Garten Prag. Zu letzterem gehört der besagte Weinberg-Südhang, an dessen Spitze im 17. Jahrhundert eine kleine Barockkapelle errichtet wurde.
Von diesem Berg hat man einen traumhaften Blick auf die Silhouette der Prager Altstadt sowie die Türme der historischen Gebäude, die auf den zahlreichen die Prager Innenstadt umgebenden Bergen stehen (z.B. der Hradschin, der Ausflugspunkt Petrin und das tschechische Nationalheiligtum Vysherad).

Troja ist die südlichste Erhebung einer sich beiderseits des Moldautals von Prag aus in Richtung Norden erstreckenden Hanglandschaft, an der sich Weinberge und Steinbrüche abwechseln. Diese Gegend zwischen Prag, Rostok (Roztoky) und Libschitz (Libcice) zog von jeher böhmische Künstler an.  Troja vermittelt einen ländlichen Eindruck und doch liegt es nur wenige Metrostationen vom Prager Zentrum entfernt – fußläufig vom Bahnhof Holesovice, an dem die Züge aus Richtung Berlin und Dresden ankommen.

Die Kapelle „Svaty Klary“ wurde von Graf Václav Vojtěch Sternberg vermutlich im Jahr 1695 im Barockstil errichtet. Er nannte sie „Clara Bernardino“ – Die Kapelle ist der Schutzpatronin „Heilige Klara“ sowie Graf Václavs Frau Klara gewidmet.

Der Weinberg Sv.Klary war einer von vier Weinbergen (der erzbischöfliche Weinberg Modřany Machalka Vysocany, der Berg Gröbovka in Vinohrady und der Berg Salabka in Troja), die sich einst auf dem Gebiet des heutigen Prags befanden.
Dieses Weingut war vermutlich schon während der Herrschaft Wenzels II. errichtet worden, so besagt eine Urkunde von 1228, dass das Hradschin-Kloster St. GeorgWeinberge und Gärten bei Troja angekauft hätte.
Unter Premysl Otakar II. (1253-1278) wurde die Schaffung neuer Weinberge in ganz Böhmen forciert. Am 16. Februar 1358 wurde eine Regelung erlassen, die besagt, dass alle für den Weinbau geeigneten Südhänge im Umkreis von drei Meilen um Prag mit Reben bepflanzt werden sollen. 

Während der Regierungszeit Rudolfs II. erreichte der Weinbau seinen Höhepunkt in Prag, das zwischenzeitlich sogar als „Stadt des Weins“ bezeichnet wurde, so gab es 1776 in Prag fast 700 Hektar Anbaufläche.

Auf der Weltausstellung in Prag im Jahre 1891 stellten vier Prager Winzer aller Welt ihre Erzeugnisse vor: Einer von ihnen war Angelus Kafka – Pächter des Weinguts Troja: Seinen Weißwein „Weißer Trojaer Vol. 1886“ bewertete die Ausstellungskommission als „ausgezeichnet“. Einem tschechischen Weinmagazin von 1871 zufolge war „bereits im fernen Ausland“, so z.B. in Russland, der Wein aus Troja bekannt und begehrt. Sogar der russische General Anenkov besuchte den Trojaer Weinberg und die Weinkeller, und kaufte große Mengen Wein für St. Petersburg.

In Troja hatte auch das „Pomologische Institut“ seinen Sitz: Um 1918 besuchte Franz Kafka regelmäßig Troja, um im den Weingärten des Pomologischen Instituts zu gärtnern. Die dortige Gartenarbeit inspirierte den Schriftsteller. Kafka besucht auch gerne die Anlage um das Schloß Troja und den gegenüberliegenden Zoo. Bis 1925 existierte der Trojaer Weinberg. In diesem Jahr ist im Grundbuchamt die Umwidmung des Weinbergs in einen „einfachen Garten“ eingetragen. Eine Legende besagt, Mitte des 20. Jahrhunderts begannen plötzlich desnachts die Glocken zu läuten. Angeblich stellte man später fest, dass es Affen waren, die aus dem benachbarten Zoo entkommen waren und sich des Läutwerks bemächtigten.

 

Erst nach dem Krieg wurde der alte Weinberg von 1950 bis 1953 neu bepflanzt. Die aktuelle Form erhielt er in den 1970er Jahren. Aufgrund der steilen terrassierten Hanglage kann der Berg nicht von Maschinen befahren werden, die Weinlese erfolgt manuell. Mit seiner Fläche von 3,5 Hektar ist er der größte der Prager Weinberge.Seit 1995 gehört der Berg und die dort angesiedelte Weinkellerei zum Prager Botanischen Garten. Man ist bemüht, die alten Reben zu erhalten und ständig neue Sämlinge anzupflanzen. Seit 2004 gibt es auf Sv. Klary auch einen Weinlehrpfad, auf dem man Beschreibungen von fast allen Rebsorten, die für den Anbau und die Weinproduktion in der Tschechischen Republik zugelassen sind, findet. In Troja werden die weißen Rebsorten Riesling, Müller Thurgau, Sauvignon, Mährischer Muskat, Gewürztraminer, Riesling, Pinot Grigio und die roten Rebsorten Blauer Portugieser und Pinot Noir angepflanzt.Insgesamt umfasst das Gebiet der Prager Weinberge heute nur noch eine Fläche von etwa 11 Hektar – der Trojaer Berg Sv. Klary ist einer der wenigen Zeugen der  einstige „Stadt des Weins“.

 


Den Weinberg mit seiner denkmalgeschützten Kapelle und dem Sv.Kláry Winzerhaus aus dem 17. Jahrhundert kann man heute auch als Privatperson für Veranstaltungen, Empfänge und Hochzeiten mieten. 

Literatur
Wagenbach, Klaus (1993): Kafkas Prag: ein Reiselesebuch. Seite 104ff. Salto Verlag.
Internetseite des Prager Botanischen Gartens.