Haus der Räte Kaliningrad

Haus der Räte Kaliningrad

Die Königsberger Altstadt wurde während britischer Bombenangriffe im und beim Einmarsch der Roten Armee zum Ende des Zweiten Weltkriegs stark zerstört. Ebenso blieb vom alten preußischen Schloss nur noch eine Ruine übrig. Nachdem Königsberg 1945 sowjetisch wurde, störte diese Ruine in Mitten des Stadtzentrums die Machthabenden. Zu sehr erinnere sie an die Preußen und dem ihnen zugeschriebenen Militarismus. Kurzerhand entschied sich der Magistrat – so war es im Kaliningrader Gebiet Gang und Gäbe – die Schloßruine 1967 zu sprengen. In der Ära Breschnew wollte man ein modernes Stadtzentrum mit einem noch moderneren Verwaltungsgebäude schaffen: Das Haus der Räte. Durch die Sprengung des Schlosses war der schlammig-feuchte Untergrund anscheinend noch weiter aufgeweicht worden als vorerst gedacht. Die Rohbauruine kam ins Wanken, Statiker konnten einen Weiterbau bzw. die Fertigstellung des „modernen“ Kolossbaus nicht verantworten. Die Bauarbeiten wurden 1978 eingestellt, der Rohbau geplündert und ausgeschlachtet. Bis heute scheiterten sämtlich Weiterbau- bzw. Abrisspläne. Im Stadtgebiet wird dieses Dilemma scherzhaft als „Rache der Preußen“ für den Abriss „ihres“ Schlosses bezeichnet.

Ein Skandal erschütterte 2003 den Königsberger Magistrat. Er hatte das leerstehende Haus der Sowjets an einen Privatinvestor für einen symbolischen Betrag von 180.000 Euro verkauft. Der Wert des Grundstücks und der Ruine wird aber auf 8 Millionen US-Dollar geschätzt. Der Verkauf wurde durch das Intervenieren der Staatsanwaltschaft 2006 annulliert.

Die Stadt hübschte die Außenfassade des Monstrums – wie ihn die Königsberger heute nennen – auf. Ab und und zu fallen Fensterscheiben aus dem Koloss nach unten, weshalb der Platz um das Gebäude heute weiträumig abgesperrt ist. Zwischen dem Bau und dem Leninprospekt ist eine riesige Grube abgesperrt, die von einem trostlosen Bauzaun umgeben ist – mitten im Stadtzentrum. Dort fanden bis vor kurzem archäologische Grabungen zu den Kellergewölben des einstigen Königsberger Schlosses statt. Man vermutet dort nach wie vor einen Hinweis auf das berühmte Bernsteinzimmer, welches in den letzten Kriegstagen hier eingelagert gewesen sein soll.