Haus am See Annenheim

Haus am See Annenheim

Am Nordufer des Ossiacher Sees im österreichischen Annenheim (Kärtnen) stand bis zum Jahre 2010 ein großzügiges Apartmenthotel direkt am Seeufer. Etwa 1957 wurde das vorhandene Haus (vermutlich zwischen 1910 und 1914 erbaut; s. Foto links oben und links unten. davor gab es nur ein Holzhaus, s. Foto am Ende der Seite) grundlegend umgebaut, aufgestockt und vergrößert (s. Foto rechts unten). Der Anbau, auf dem Foto links vom Haus zu sehen, muss entweder zwischen 1935 und 1939 oder in den frühen 1950er Jahren entstanden sein.

Was ich mit dem Haus am See verbinde? Durch Zufall entdeckten meine Eltern im Jahre 1993 bei einem Sommerurlaub dieses gelb gestrichene Haus, versteckt hinter einer Hecke an der Seeuferstraße, abseits der Bahngleise – und es hatte sogar noch Zimmer frei: Sofort bezogen wir Quartier. Es gab ein großes Haupthaus mit einem hochherrschaftlichen Treppenhaus und einen Seitenflügel mit mehreren Zimmern, die von einem der schmalen Gänge, die mit Sisal-Teppichboden ausgelegt waren, abgingen. Alle Zimmer waren zur Seeseite ausgerichtet – man schaute auf den See und die gegenüberliegende Burgruine Landskron.

Im Haupthaus wohnte ganz oben unter dem Dach in einer ebenfalls sehr mondänen Wohneinheit die sympathische ältere Zimmerwirtin. Sie war die Großmutter der Hauseigentümer, einer Wiener Familie, und verbrachte jeden Sommer am Ossiacher See und führte den Pensionsbetrieb. Sie war sozusagen das Herz des Hauses, kümmerte sich um die Belange der Gäste oder spielte mit den Kindern abends Karten oder trank ein Glas Wein mit den Eltern. Insgesamt erinnere mich an meine Urlaube in Annenheim sehr gerne als essentiellen Teil meiner kindlichen Sommerurlaube zurück: Schon morgens konnte man hier in den See springen, immer unter den streng wachenden Augen der Eltern auf dem Balkon. Im Sommerurlaub 1993 lernte ich hier übrigens schwimmen, in dem mein Vater mir einem Gürtel um den Bauch band und vom Steg aus ins Wasser hielt, in dem ich meine ersten Schwimmversuche unternahm. Der Steg ging einmal quer über die gesamte Uferkante, ich hatte also einige Meter zu bewältigen. Auf den Holzstegen vor der Kaimauer, auf dem man oft kleine Eidechsen beobachten konnte, ließ es sich herrlich entspannen.

Aber man konnte auch hervorragend Bergwandern, sehr zur Freude meines Vaters, der nicht so sehr gerne am Wasser in der Sonne lag. Und – für uns Großstädter auch ein entscheidender Vorteil – man war schnell in fünf Autominuten oder mit der Regionalbahn in zwei Stationen direkt in der Villacher Innenstadt mit ihren Restaurants und Geschäften entlang des türkisfarbenden Flusses Drau. Wer der österreichischen Kultur überdrüssig wurde, konnte in einer halben Stunde Fahrzeit auch in Italien oder Ex-Jugoslawien sein. Als ich älter wurde lernte ich im benachbarten Seglerheim Windsurfen und Segeln und kam während des Unterrichts oft am Haus am See vorbei.

Foto oben, um 1955: Noch vor dem Umbau, aber schon mit Anbau
Foto rechts um 1958: Nach dem Umbau: Das Haus am See in dem Zustand, in dem des bis 2010 blieb. Rechts mit Türmchen die Villa Muhr (heute Villa Koch)

Meinen letzten Urlaub in dem Haus am Ossiacher See verbrachte ich (ungeplant) im Jahre 2003. Damals war ich, kurz nach dem Abitur, mit einem Schulfreund auf dem Weg von Berlin zum Zelten nach Kroatien. Auf der Suche nach einem geeigneten Zwischenstopp machten wir Halt bei meinen Eltern, die in Annenheim zeitgleich Ferien machten. Schnell lernte man den Komfort und die familiäre Umgebung des Hauses am See wieder schätzen, sodass man gar keine rechte Lust hatte, weiter nach Kroatien zu fahren. Doch geplant war geplant. Allerdings kamen wir nach zwei Tagen (nach dem das Zelten in der Hitze Kroatiens weniger Spaß brachte) wieder zurück und blieben in Annenheim.

Bei meinem nächsten Kurzbesuch im Annenheim – auf der Durchreise per Bahn durch Europa – im Jahre 2011 musste ich feststellen, dass es das Haus am See nicht mehr gab. Auf dem Grundstück standen zwei moderne weiße Flachdachbauten. Einzig die Steintreppe hinunter ins Wasser mit den beiden Löwen gab es noch. Wir klingelten, und die Besitzerin (offenbar noch zu der Wiener Eigentümerfamilie von einst gehörig) erzählte uns von dem Abriss des Hauses im Vorjahr, da die Ferienzimmer aus den 1960er Jahren wohl nicht mehr den Standard von heute erfüllten und die Gäste ausblieben. Jetzt würden das Grundstück die Eigentümer nur noch privat nutzen. Sehr schade, dachte ich mir. Noch trauriger fand ich, dass es im Internet kaum etwas über das Haus am Sees und seine Geschichte zu finden gab. Auch die freundliche Pensionswirtin von einst, konnte mir leider nur wenig Auskunft über Anekdoten und Erinnerungen geben. Immerhin freute sie sich sehr, von mir zu hören und konnte sich noch gut an meinen Vater erinnern, der mir im Sommer 1993 am Gürtel hängend Schwimmen beibrachte. Falls Sie also Informationen oder nette Geschichten haben, ob als Sommergast oder Anwohner, bitte schreiben Sie mich an.

Foto links oben, vermutlich frühe 1950er Jahre: vor dem Umbau. Haus am See hinten links, in der Mitte die Villa Muhr (heute Koch)
Foto links unten, um 1909: Noch gibt es das Haus am See nicht, auf dem Grundstück stand noch ein Holzhaus, rechts die Villa Muhr
 
Quellen
Alle s/w Fotos entstammen der Sammlung von Johann Maurer vom Treffen-imBild.TV – herzlichen Dank für die Unterstützung! Die Farbfotos habe ich als Kind in den Jahren 1993-1997 gemacht: Links das gelbe Haus am See, rosa die Villa Koch.