„Nach vorne schauen, denn es kommt immer etwas Besseres.“

„Nach vorne schauen, denn es kommt immer etwas Besseres.“

Volkmar Leif Gilbert ist 25 Jahre alt und studierter Schauspieler, Sprecher und Schauspieldozent für Kinder. Aber in erster Linie Schauspieler. Nach seiner dreijährigen Ausbildung an der Schauspielschule Charlottenburg, tobt sich Volkmar nun schon seit 3 Jahren sowohl auf der Bühne als auch vor der Kamera aus. Hauptsache man macht etwas Schönes für sich und für das Publikum.

Von Antonia Schmid

Volkmar Leif Gilbert über Durchhaltevermögen, Niederlagen und Til Schweiger.

Dann darfst Du einmal anfangen und Dich kurz vorstellen. Name, Alter, wenn Du das Alter bekannt geben möchtest, auch gerne Dein Alter, Ausbildung, wer Du eigentlich bist und was Du momentan machst.

Mein Name ist Volkmar Leif Gilbert, ich bin 25 Jahre alt, 1991 geboren und das ist auch kein Geheimnis ehrlich gesagt, das steht ja auch in meiner Vita (lacht). Ich bin ausgebildeter Schauspieler, habe 3 Jahre lang eine private Ausbildung gemacht an der Schauspielschule Charlottenburg und arbeite seit 3 ½ Jahren als Schauspieler, Sprecher und als Schauspieldozent für Kinder. Eher Lehrer, nicht Dozent. Dozent klingt zu professionell (lacht).

Du hast erwähnt, Du hast ein neues Studium begonnen.

Ja genau, ich habe Anfang dieses Jahres ein neues Studium aufgenommen zum Kindheitspädagogen, das ist der akademisierte Erzieher und es lässt sich hoffentlich in meiner Welt der Schauspielerei gut kombinieren. Gerade wenn ich mit Kindern arbeite, kommt mir das sehr zu gute.

Schön. Wir kommen aber trotzdem zurück zum Schauspiel. Die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule stelle ich mir nicht nur Nerven aufreibend, sondern auch arbeitsintensiv vor. Wie hast Du Dich vorbereitet und wie hast Du die Aufnahmeprüfung empfunden. Also klar, nervös, aber vielleicht auch irgendwelche Seiteneffekte, die der Außenwelt noch nicht bekannt sind.

Nein, ich war tatsächlich nur nervös und kurz vor mir war jemand dran der auf Knopfdruck weinen konnte oder sich so in die Rolle hereingesteigert hat, dass er tränenüberströmt aus dem Vorsprechen herauskam. Das war der einzige Moment wo ich dann beim Vorsprechen dachte „Okay, das wird heute nix.“

Meine Geschichte zum Vorsprechen ist interessant. Ich habe den Beruf des Schauspielers eigentlich nur ausschließen wollen. Weil ich nicht wusste was ich machen soll und dann in der Broschüre vom Arbeitsamt tatsächlich diese Schauspielschule entdeckt habe. Ich habe mich dann ein bisschen informiert, da die ganzen staatlichen Schulen schon gar keine Aufnahmeprüfungen mehr hatten.

Die Universität der Künste wollte, glaube ich, vier Monologe und zwei Lieder und das vorzubereiten hätte ich neben dem Abi gar nicht geschafft. Da war ich ganz realistisch. Also habe ich dann nach privaten geguckt und die in Charlottenburg war tatsächlich einer der günstigsten. Da ich auch die Homepage am ansprechendsten fand und als Vorbereitung zwei Monologe und ein Lied haben wollten, was ziemlich wenig ist gemessen an den anderen Schulen, habe ich mich entschieden das einfach zu machen. Dann habe ich das gebüffelt und gar nicht so viel geprobt tatsächlich. Ich habe das nie jemanden angucken lassen vorher und bin da hingegangen ohne, dass davon jemand was wusste.

Ich bin da ganz unvoreingenommen hinein gegangen, weil ich es ja eigentlich nur ausschließen wollte und am Ende fiel die Entscheidung und dann hieß es, dass sie es ein halbes Jahr mit mir probieren wollen. Es gab ein Probehalbjahr und damit war das für mich erstmal ok, weil ich eine Ausbildung hatte und diesen Druck los war, was ich jetzt bloß machen sollte nach dem Abitur.

Man ist ja wahnsinnig nervös, wenn man in das Vorsprechen hineingeht. Überfallen dann einen auch so Sachen wie Selbstzweifel, panische Ängste oder was auch immer. Ich verbinde damit relativ viele negative Gefühle, muss ich gestehen. War das bei Dir auch so oder eher „Ich bin jetzt hier und jetzt mache ich das auch.“

Das ist eine gute Frage. So ganz genau kann ich mich daran gar nicht mehr erinnern. Also, ich war schon aufgeregt, weil ich schon immer in der Theater-AG dachte, dass ich nicht der Beste bin. Die Theater-AG war eine schöne Gemeinschaft und es hat viel Spaß gemacht, aber ich habe jetzt nie gedacht, dass ich unbedingt auf die Bühne muss. Ich glaube mein Körper hatte sich durch die Theater-AG schon ein bisschen auf Lampenfieber eingestellt und wie man damit umgeht. Ich hatte bei den Aufführungen nie irgendwelche Aussetzer.

Aber, bei der Aufnahmeprüfung weiß ich es echt nicht mehr. Ich glaube ich habe tatsächlich einfach gedacht ich mach das jetzt hier, ich ziehe das jetzt durch und wenn es nicht klappt ist es auch nicht so schlimm. Also, vielleicht, weil der Druck gar nicht so groß war, dass ich unbedingt den Job kriegen muss, sondern weil ich einfach nur gedacht habe ich probiere es einfach mal.

Selbstzweifel hatte ich sowieso, ja. Schon allein als ich die ganzen Leute gesehen habe beim Vorsprechen. Das waren ziemlich viele. Und als die dann alle erzählt haben, was die schon gemacht haben, habe ich gedacht „Naja, gut.“ Also, ich habe meine Chancen relativ geringgeschätzt, aber als ich dann da war, dann wollte ich auch machen. Ich wollte dann nicht den Schwanz einziehen und abhauen.

Wie genau würdest denn Du eine Niederlage in deinem Beruf definieren? Also, ist es jetzt eine Niederlage, wenn Du eine Rolle nicht kriegst oder wenn Du eine Rolle nicht so gespielt hast, wie Du sie eigentlich immer spielen wolltest. Sind die einzigen Niederlagen in diesem Beruf, die Du erleiden kannst, die wo Du die Rollen nicht kriegst oder auch die wo Du für Dich selber versagt hast?

Also, ich würde mal sagen, wenn ich jetzt erstmal davon ausgehe ich habe die Rolle gekriegt und wenn ich den Job dann mache, den ich mache, dann würde ich es als Niederlage bezeichnen, wenn ich mich beim Spielen nicht wohlfühle. Also, wenn ich was spiele, was ich nicht spielen will. In dem Sinne, dass ich eine Rolle spielen wollte und mich auch darauf beworben habe, aber das bei der Arbeit mit dem Regisseur oder den Kollegen irgendwas bei herumgekommen ist, wo ich mich nicht mit wohl fühle. Oder auch wenn ich keine Chance hatte mich für eine andere Rolle zu entscheiden oder ganz zu gehen. Oder weil es nicht die Möglichkeit gab mit den Leuten zu reden, weil die nicht kooperativ waren. Die Niederlage wäre es sich geschlagen zu geben von den Meinungen der anderen und seinen Job nicht mehr so machen kann, dass es einem Spaß macht.

Das sehe ich aber in jedem Job als Niederlage, ehrlich gesagt. Also, ich vergleiche den Schauspielerberuf ganz oft mit dem Bürojob, weil letztlich gibt es Menschen die daran Spaß haben und sich den Job irgendwie schönmachen und die genug Ehrgeiz und Bock haben den Job zu machen und dann gibt es die Arschlöcher und die gibt es bei den Schauspielern genauso. Es gibt Leute die zusammenarbeiten und dann gibt es die, die immer auf Rivalität aus sind, immer besser sein wollen und immer nur sich in den Vordergrund spielen.

Auch die Regisseure. Ich sehe die Zusammenarbeit zwischen Schauspieler und Regisseur als eine Zusammenarbeit und nicht als eine Hierarchiearbeit. Der Regisseur steht nicht über dem Schauspieler. Das ist nicht möglich, weil dann ganz oft Unterdrückung entsteht und man fühlt sich automatisch nicht mehr wohl, weil man das Gefühl hat, dass man mit dem Regisseur überhaupt nicht mehr über die Rolle reden kann.

Wenn ich davon absehe was im Job eine Niederlage ist, dann würde ich auch sagen, dass es schon Niederlagen sind, wenn man ein Casting nicht kriegt. Manche Ausschreibungen sieht man und denkt sofort „Da passe ich perfekt drauf!“, praktisch wie Arsch auf Eimer. Und dann bereitet man sich vor und engagiert sich vielleicht sogar noch einen Coach, investiert Geld und man hat am Ende zwar das Gefühl, dass das ein gutes Casting war, aber, wenn man die Rolle dann nicht kriegt, hat man trotzdem das Niederlagengefühl.

Also, Niederlagen sind Dir auf jeden Fall bekannt.

Ja, auf jeden Fall.

Und wenn Du jetzt von diesen selbst definierten Niederlagen ausgehst: Wie gehst Du damit um, wenn Du sie erleidest? Was machst Du dann? Bist Du dann drei Monate lang im Selbstmitleid oder hast Du dann einen Abend wo Du Dich betrinkst und am nächsten Tag sagst es geht trotzdem weiter. Gibt es da ein Rezept?

Also, was ich über die 3 Jahre gelernt habe, ist erstmal nach vorne schauen denn es kommt was Besseres. Den Spruch habe ich von meiner Agentin. Das fand ich immer motivierend. Sie hat immer gesagt „Die Rolle sollte wohl nicht sein, aber da kommt eine geilere Rolle.“ Die Realität hat dann aber leider häufig genug das Gegenteil bewiesen. Die geilere Rolle kommt auch nicht immer.

Generell bin ich ziemlich optimistisch eingestellt. Es gibt einfach zu wenig Rollen und zu viele Schauspieler. Ich gönne das auch gerne den Kollegen, es sei denn ich sehe das Endergebnis und stelle fest, dass das echt schlecht ist, denn das hätte ich besser gemacht. Aber manchmal ist es dann die Berühmtheit oder Kontakte. Man weiß es einfach nicht. Man steckt da nicht drin. Es ist relativ intransparent und das finde ich schade. Aber gut, Augen auf bei der Berufswahl, dann kannst du es nicht machen und ich habe trotzdem immer weitergemacht.

Man muss damit umgehen lernen. Auf der Schauspielschule wurde ich auf Niederlagen nicht vorbereitet. Da wurde ich darauf vorbereitet, dass die Arbeit vielleicht Scheiße sein kann und die Regisseure kacke sein können. Jeder Regisseur arbeitet anders und schickt dich mal von A nach B und du weißt gar nicht warum. Es gibt viele verschiedene Arbeitsstile. Darauf wurden wir schon vorbereitet.

Mein erster Job in Berlin ging zum Beispiel total schief. Der Regisseur war ein absoluter Idiot und ich habe mich nicht verteidigen können, weil ich mich damals noch nicht getraut habe. Ich hatte das Gefühl, dass ich der kleine Schauspieler bin, der froh sein muss einen Job gekriegt zu haben. Der Regisseur sagte mir dann was und ich habe es nicht verstanden. Ich habe es dann trotzdem gemacht und dann schrie er mich wieder an, weil ich es nicht so gemacht habe, wie er es wollte. Daraus habe ich dann tatsächlich gelernt und gesagt, dass ich nie wieder mache. Ich habe mich so klein gefühlt und beschlossen, dass ich sowas nicht in meinem Job haben will, vor allen Dingen nicht mein ganzes Leben über.

Ich habe 2015 nochmal ein Coaching gemacht, was mir sehr geholfen hat was das Betrachten meines Jobs und mir selbst anging.

Hast Du das gemacht, weil Du dachtest Du musst das machen oder aus Interesse?

Das war schon Interesse. Das Gefühl, ich trete so ein bisschen auf der Stelle. Dinge wiederholten sich in der Arbeit mit verschiedenen Regisseuren. Ich hatte zwei Monologe bei drei verschiedenen Theatern vorgesprochen und die haben mir alle die gleiche vernichtende Kritik gegeben. Da stimmte irgendwas nicht. Ich hatte den Monolog sogar mit einem Dozenten zusammen erarbeitet und seiner Meinung nach hatten alle anderen keine Ahnung von modernem Theater. Aber trotzdem wusste ich, dass ich irgendwas falsch mache, wenn mir drei Leute unabhängig voneinander exakt das Gleiche sagen.

Dann bin ich auf dieses Coaching aufmerksam geworden, habe mich da gemeldet und fand sofort die Atmosphäre schön. Jeglichem Geldüberfluss zum Trotz habe ich da angefangen (lacht). Ich habe mir Geld geliehen und beschlossen, dass ich das brauche. Mein Coach war auch noch sehr jung und erzählte mir, dass es ihr vor neun Jahren genauso ging wie mir. Das hat mich überzeugt, insbesondere als sie sagte, dass es ihr deutlich besser geht. Es war eigentlich ein Schauspiel-Coaching aber es war vielmehr ein Life-Coaching. Viel Persönlichkeitsentwicklung und Selbstbild sowie die eigene Wahrnehmung.

Vokmar_2_FINAL

Volkmar Leif Gilbert im Monbijoupark am Hackeschen Markt in Berlin

Letztendlich ist es nach vorne blicken und sich sicher sein. Es kommen ja auch neue Rollen. Und man kann froh sein, wenn man ein gutes Casting hatte. Oft steckt man beim Film und Fernsehen nicht drin. Es kann dann an der Haarfarbe gelegen haben. Man kriegt das Feedback ja meistens nicht. Selbst wenn man nachfragt, bekommt man zu hören, dass alles super war. Man wird tatsächlich so ein bisschen abgewürgt. Es gibt ja auch so viele Mitentscheider und man weiß letztendlich nie an wem es hing. Ob es jetzt der Geldgeber war oder der Regisseur oder sogar die Maske. Man weiß es nicht.

Ist es frustrierend, wenn man eine Rolle nur wegen des Geldes oder Publicity oder weil es gut im Lebenslauf aussieht, annehmen muss?

Ehrlich gesagt, kam ich noch nie in die Verlegenheit, dass ich eine Rolle wegen der Publicity spielen muss und auch wegen des Geldes leider nicht (lacht).

Beim Geld ist es die eine Sache. Wenn ich weiß, dass es viel Kohle gibt und es ist keine Bumskomödie, dann würde ich sagen, dass Geld dann schon viel ausmacht. Ob es dann frustrierend ist, ist dann wieder die Frage. Mittlerweile bin ich an dem Punkt zu sagen, dass ich selbst aus der Rolle, die ich nur wegen des Geldes spiele, etwas Schönes zu machen. Ich hole irgendwas aus der Rolle heraus, was mir Spaß macht, sodass ich meinen Job gut mache. Wenn ich den Job nicht gerne mache, dann mache ich ihn auch nicht gut. Das wäre dann ein Teufelskreis, der in genau die falsche Richtung geht. Dann werde ich nicht mehr gebucht, dann habe ich einmal viel Geld und dann nie wieder und das ist auch Quatsch. Wenn ich viel Geld kriege, will ich es gut machen und da findet man Anreize, die Rolle gut zu spielen.Ich überlege mir jede Rolle sehr gut und bewerbe mich auch nicht mehr auf alles. Am Anfang habe ich mir die Ausschreibungen gar nicht richtig durchlesen, sondern bin einfach nur danach gegangen, ob die Rolle meinem Spielalter entspricht und habe mich darauf dann beworben. Ich wollte einfach arbeiten. Es gibt auch Zeiten in denen es nur wenige Angebote gibt und dann greift man nach jedem Strohhalm.

Mittlerweile ist es aber so, dass ich mir die Sachen ganz genau anschaue ob nun bei bezahlten oder unbezahlten Projekten. Ich muss irgendwas daran finden worauf ich Lust habe. Auch die Kommunikation muss vorher stimmen. Wenn ich mich bewerbe und keine Antwort kriege oder in der Antwort stehen bereits die ersten Vertragsbedingungen drin dann will ich auch die Möglichkeit haben nein sagen zu können. Ich will mich nicht auf meine Bewerbung festnageln lassen. Ich bin nicht der letzte Hanswurst, der allen Scheiß macht.

Du selektierst tatsächlich schon selber.

Ja, und ich denke auch, dass ist wichtig, dass man sich das heraussucht worauf man Lust hat. Man sieht es im Spiel, wenn es demjenigen keinen Spaß macht. Letztendlich sind wir ja Schauspieler und wir können es wirklich so ankommen lassen, als würde es uns Spaß machen. Aber ich bekomme oft das Feedback, dass Leute sehen, wenn Menschen auf der Bühne echt sind und Spaß haben. Man spürt das irgendwie.

Woher nimmst Du denn das Durchhaltevermögen? Diese ganzen Niederlagen, die Frustration, die Stagnation, die manchmal vorkommen. Nimmst Du das Durchhaltevermögen aus der Leidenschaft, dem Mut, dem Ehrgeiz?

Einmal nehme ich es natürlich aus dem Selbsterhaltungstrieb. Das ist der Job, den ich mache und ich muss davon leben. Andererseits treibt mich die Überlebensangst und Existenzangst auch oft genug in Tiefen. Da mache ich es mir selber nicht leicht. Ich denke immer, es gibt noch so viele andere Sachen, die ich als Schauspieler machen könnte. Irgendwelche Promoter-Jobs und Moderation. Das sind ja alles Sachen für die wir Schauspieler gut geeignet sind. Es kostet aber wieder Kraft sich als Moderator weiterzubilden oder mich auszuprobieren. Und die Jobs muss man dann auch noch kriegen.

Mich fragen viele Leute warum ich nicht Model werde. Ganz einfach, weil ich zu klein bin. Ich habe vor der Kamera eine gute Ausstrahlung und ich bin photogen. Das weiß ich auch. Das bringt mir in dem Moment aber nichts, wo ich keinen Job habe. Es ist dann frustrierend. Ich versuche mich selber aus dem Sumpf herauszuziehen, denn es muss ja irgendwie weitergehen. Ich muss Geld verdienen. Ich will niemandem zur Last fallen weder dem Staat, meinem Freund noch meiner Familie. Dafür habe ich einen zu großen Unabhängigkeitsdrang.

Aber gut, deswegen habe ich beschlossen was gegen diese Phasen, in denen ich nicht wusste, wie es weitergehen soll, zu machen und habe angefangen zu studieren. Erstens als eine Sicherheit, denn als Kindheitspädagoge ist man letztlich Erzieher und man kann mal Schwangerschaftsvertretung immer irgendwo in einer Kita arbeiten. Zweitens wegen der Kombinationsmöglichkeiten mit dem Schauspiel. Ich bin mir sicher dadurch noch eine Tür zu öffnen. Ich will das Schauspiel auch nicht aufgeben. Das ist mir ganz wichtig. Ich mache es nach wie vor nebenbei.

Mit dem Studium habe ich mir so ein bisschen die Angst genommen, nicht zu wissen von was ich nächsten Monat leben soll wobei es einem im Studium ähnlich geht (lacht).

Wem sagst Du das…

Ich bin meinem eigenen Sicherheitsgefühl nachgekommen und habe mich deswegen für das Studium entschieden.

Wenn Du dauerhaft Schauspieler sein könntest, was wäre Dein Ziel als Schauspieler oder lässt Du Dich eher treiben?

Ich muss sagen, dass es mir an diesem Ziel immer gemangelt hat und das ist vielleicht auch ein Grund warum ich nicht so richtig auf der Karriereleiter nach oben geschossen bin. Mein Ziel war in erster Linie tatsächlich die Leute zu unterhalten.

Einem wird häufig die Frage gestellt warum man Schauspieler ist und ich habe mir die Frage selbst gestellt. Ich habe überlegt ob ich so geltungsbedürftig bin oder ob ich den Mittelpunkt brauche. Da kommt dann plötzlich eine ganze Menge Selbstkritik hoch.

Die Unterstellung der Arroganz?

Ja, ganz genau. Man macht sich dann plötzlich selber fertig und hält sich für ein arrogantes Stück. Aber trotzdem hat jeder seine Funktion in der Gesellschaft und meine Funktion ist es die Gesellschaft zu unterhalten. Das ist gewünscht und gewollt und Leute geben dafür Geld aus. So falsch kann das nicht sein, deswegen war das mein Ziel. In irgendeiner Form zu unterhalten.

Gibt es irgendeinen Film den Du unbedingt mal drehen möchtest oder einen Regisseur mit dem Du unbedingt zusammenarbeiten möchtest?

Doch, es gibt schon Filme, gerade deutsche Filme, die ich mir anschaue und schon Lust hätte sowas mal zu spielen. Mir fällt, ehrlich gesagt, jetzt kein konkreter Film ein. Das sind mehrere und ich bin da gar nicht festgelegt. Es gibt ein paar Genre, die ich gerne mal machen möchte. Komödie zum Beispiel. Weil ich weiß, dass ich das ganz gut hinkriegen würde.

Ich bin einer der wenigen Schauspieler, die Til-Schweiger-Filme und Matthias-Schweighöfer-Filme mögen. Auch längst nicht alle. Generell mag ich den Humor aber sehr gerne. Er schafft es mit den Filmen mich in irgendeiner Form zu berühren. Ich kann daran gar nichts Schlechtes finden. Ich kann nichts dafür, dass ich diesen Film sehe und er berührt mich. Anscheinend macht er es mir in dem Moment recht. Vielleicht bin ich dafür nicht selbstreflektiert genug oder ich habe einen schlechten Geschmack (lacht).

Oder Du hast einfach Deinen eigenen Geschmack.

Wahrscheinlich eher das, ja (lacht). Es gibt ja auch genug Leute, die die Filme gucken. Aber da habe ich tatsächlich schon mal überlegt, ob man sich an den wendet. Aber das habe ich nie gemacht, weil ich ja eher so ein kleines Licht bin. Da kam wieder der Selbstzweifel dazu und dann habe ich es lieber nicht gemacht.

Beschreibe mal in vier Wörtern was ein Schauspieler mitbringen muss um als Schauspieler zu überleben.

Leidenschaft, auf jeden Fall. Durchhaltevermögen. Spaß. (Überlegt) Ich versuche das gerade in ein Wort zu fassen. Die Lust sich zu zeigen. Ich würde es Offenheit nennen, ja.

Die letzte Frage. Wenn Du die Wahl hast: Theater oder Film?

Dann was? (lacht)

Was würdest Du bevorzugen?

Tatsächlich hatte ich mir letztes Jahr als Ziel gesetzt nur noch Film und Fernsehen zu machen. Aber das hatte eher was damit zu tun, dass ich zu dem Zeitpunkt bereits 2 ½ Jahre nur Theater gemacht habe und dann wollte ich wieder vor die Kamera. Ich wollte einfach Abwechslung und mal wieder die andere Seite des Jobs sehen. Ich bin dann doch wieder im Theater gelandet, weil das Angebot kam und bevor ich nichts gehabt hätte, habe ich das angenommen. Ich habe das aber nicht mit weniger Spaß und Freude gemacht.

Wenn du mich jetzt in diesem Moment fragst, was ich lieber machen wollen würde, dann wäre es Film und Fernsehen. Aber das kann sich immer wieder ändern. Ich würde die Bühne niemals verschmähen.

Es kommt immer auf das Projekt an. Ich würde eher das Theaterstück machen auf das ich Lust habe und von dem ich weiß, dass es mich voranbringt als, dass ich irgendeinen Rotz beim Film annehmen würde.

Du willst Dich aber nicht festlegen?

Nein. Ich finde sowohl Theater als auch Film und Fernsehen spannend, anstrengend und aufregend.


Large Blog ImageAntonia Schmid studiert Englische Philologie und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft im 4. Semester. Der lang zurückliegende Schauspielunterricht galt als Inspiration für dieses Interview.


2017-07-06T12:18:02+00:00 Kategorien: Berlin + Brandenburg, Kunst + Können, Lesen|Tags: , , , , |