Institut für Kommunikationsgeschichte
und angewandte Kulturwissenschaften

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Lion Feuchtwanger "Der Zauberer" festgehalten von Sergei Michailowitsch Tretjakow

Projekte

Schriftenreihe akte exil. neue folge

Unbekanntes Archivmaterial zum Exil wird erneut zugänglich

In Berlin nahm die faschistische Katastrophe mit der Bestellung Hitlers zum Reichskanzler ihren Anfang. In Berlin muß die Aufarbeitung des Nationalsozialismus mit seinen schlimmen Folgen für Deutschland, Europa und die Welt ihr Zentrum haben. Gegen das Vergessen. Daß heute viele die Geschichte und Wirklichkeit des Exils zwischen 1933 und 1945, das Schicksal der Verfolgten des Nationalsozialismus aus ihrem Gedächtnis verdrängt haben, gibt zu denken. Anstrengungen, dem entgegenzuwirken, tun not. In dieser schnellebigen Zeit droht das Vergessen allem und jedem, das nicht im gegenwärtigen Bewußtsein präsent ist. Und Präsenz bedeutet heute in erster Linie Präsenz in den avanciertesten Medien. Welche Chance haben da noch Bücher? Bücher, die in erster Linie unbekanntes Archivmaterial präsentieren wollen, sorgfältig ediert und kommentiert. Der kleine Berliner Verlag Bostelmann & Siebenhaar hatte sich der akte exil angenommen, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen wollte und zugleich die Lesbarkeit in den Vordergrund der Dokumentation stellte. Bis 2007 sind zehn Bände innerhalb der Reihe erschienen: George Grosz, New York 1934. Mit diesem Band habe ich die Schriftenreihe dann eingestellt. Zehn Jahre später, im Herbst 2017, wurde die Schriftenreihe als neue Folge im Wallstein Verlag, Göttingen, neu eröffnet. Bislang sind zwei Bände erschienen.

Hermann Haarmann

 

Band 2: Der Briefwechsel zwischen Borchardt und Grosz

Hermann Borchardt/George Grosz

"Lass uns das Kriegsbeil begraben!" Der Briefwechsel, hrsg. von Hermann Haarmann und Christoph Hesse unter Mitwirkung von Lukas Laier, Göttingen 2019, 560 S.

Der Briefwechsel zwischen Hermann Borchardt und George Grosz ist ein bislang unbekanntes, beeindruckendes Zeugnis des Deutschen Exils 1933 bis 1945. In insgesamt 219 Briefen erzählt sich die Freundschaft zweier Künstler, deren Schicksale unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Freundschaft zwischen Hermann Borchardt und George Grosz begann Mitte der 1920er Jahre in Berlin. Grosz gehörte zu den bekanntesten Satirikern der Weimarer Republik, während Borchardt sich eher am Rande der literarischen Avantgarde bewegte.

Der bislang zum größten Teil noch unveröffentlichte Briefwechsel erstreckt sich über ein knappes Vierteljahrhundert, von 1927 bis zu Borchardts Tod 1951. Ob seines Umfangs und seiner Dichte kann er als eine kontinuierliche Geschichte dieser Epoche in Originaldokumenten gelesen werden; auch ein Dokument nicht nur einer unverbrüchlichen Freundschaft in höchst unfreundlichen Zeiten, sondern der Lebenswege zweier Künstler, deren Flucht vor dem Nationalsozialismus zugleich eine Abkehr von ihrer als letztlich gescheitert angesehenen Arbeit in der Weimarer Republik bedeutet.

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[Rezension im Jahrbuch Exil Band 38]

[Rezension Süddeutsche Zeitung]

[Rezension taz am wochenende]

[Bericht Deutschlandfunk Kultur]

[Vorbericht Tagesspiegel]

 

FeuchtwangerBand 1: Lion Feuchtwanger in Moskau 1937

Anne Hartmann

"Ich kam, ich sah, ich werde schreiben". Lion Feutchtwanger in Moskau 1937. Eine Dokumentation, hrsg. von Hermann Haarmann, Göttingen 2017, 452 S.

Lion Feuchtwanger wurde bei seinem Besuch in der Sowjetunion um die Jahreswende 1936/1937 mit allen Ehren empfangen: Das exklusive Interview, das Stalin dem Autor gewährte, und die Einladung zur Teilnahme am zweiten Moskauer Schauprozess belegen den hohen politischen Rang, der dem Schriftsteller beigemessen wurde. Die Fürsorge der Gastgeber zeigte zugleich aber auch ihre Furcht vor einem zweiten Fall Andre Gide, dessen kurz zuvor erschienenes, kritisches Russlandbuch in der Sowjetunion wie bei den europäischen Linksintellektuellen Entsetzen ausgelöst hatte.

Feuchtwanger bezeichnete seinen Reisebericht "Moskau 1937" selbst als "pro-bolschewistisches Buch" und wurde für seine unkritische Haltung vielfach angegriffen. Anne Hartmann zeigt jedoch anhand einer Fülle persönlicher Briefe und Tagebucheinträge Feuchtwangers sowie anhand von Dokumenten des russischen Geheimdienstes, dass der berühmte Schriftsteller keineswegs so naiv und "blind" war, wie oft behauptet wird. Aber warum gefährdete der skeptische Beobachter seine ganze Reputation mit diesem Buch, das offensichtlich nicht seine persönliche Meinung widerspiegelt?

Die Autorin hat Quellen aus Archiven in Russland, den USA und Deutschland erschlossen, um die Reise und das Entstehen des Reiseberichts erstmals nachvollziehbar zu machen.

 

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[Rezension FAZ]

[Rezension Neues Deutschland]

[Rezension Süddeutsche Zeitung]