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28.5.1965

Proteste bei der Immatrikulationsfeier

  Schwarz-Weiß-Foto: Sigrid Rüger Henry-Ford-Bau
Sigrid Rüger im Henry-Ford-Bau
Foto Raillon, Quelle: Universitätsarchiv der FU


Schwarz-Weiß-Foto aus der Immatrikulationsakte von Sigrid Rüger
Foto aus der Immatrikulationsakte von Sigrid Rüger
Quelle: Universitätsarchiv der FU


  Sigrid Rüger, verh. Damm-Rüger (* 19. März 1939 in Dresden, † 12. Dezember 1995 in Berlin)
 
Sigrid Rüger besucht von 1959 bis 1956 in Wiesbaden das Helene-Lange-Realgymnasium für Mädchen und absolviert danach eine Lehre als "Bankkaufmann". Nach einem einjährigen Besuch der städtischen Schauspielschule Wiesbaden legt sie auf dem zweiten Bildungsweg am Hessen-Kolleg in Frankfurt am Main 1963 ihr Abitur ab und immatrikuliert sich im Wintersemester 1963/64 an der FU zunächst für die Studienfächer Theaterwissenschaft und Publizistik. Als berufliche Perspektive gibt sie in ihrer Studienbewerbung Drama­turgin oder Theaterkritikerin an.
 
Nach einem Fachwechsel studiert sie von 1965 bis 1971 Soziologie und Politikwissenschaft. Sie arbeitet im hochschulpolitischen Arbeits­kreis des SDS, wird 1964 studentische Sprecherin der Philosophi­schen Fakultät und 1965 Studentenvertreterin im Akademischen Senat der FU.
 
Im Juli 1969 beantragt die Generalstaatsanwaltschaft die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Sigrid Rüger und vier ihrer Kommilito­nen wegen Störung von Lehrveranstaltungen während der studenti­schen Streiks im Januar 1969. Das Strafverfahren wird jedoch nicht eröffnet, da die sozial-liberale Regierung Brandt nach ihrem Amtsan­tritt eine Amnestie für Demonstrationsdelikte verabschieden lässt. Infolge des Straffreiheitsgesetzes vom Mai 1970 werden über 5000 anhängige Verfahren gegen Beteiligte der Studentenbewegung ein­gestellt.
 
1968 ist Sigrid Rüger eine der Mitbegründerinnen des Aktionskomi­tees zur Vorbereitung der Befreiung der Frau (ab Mai 1968: Aktions­rat zur Befreiung der Frauen).
 
Auf der 23. Delegiertenkonferenz des SDS, die am 13. September 1968 in Frankfurt am Main stattfindet, wirft sie hochschwanger aus Protest gegen die Diskussionsverweigerung der Sitzungsleitung drei Tomaten in Richtung des Podiums, eine davon trifft den Frank­furter SDS-Sprecher Hans-Jürgen Krahl.
 
Rückblickend erinnert sich Sigrid Damm-Rüger:
"Die Delegierten­konferenz konnte nicht zur Tagesordnung über­gehen, es wurde anhand einer über Nacht erstellten Resolution weiter über die Frauenproblematik diskutiert und die Delegier­tenkonferenz musste vertagt werden. Die Medien nahmen das Ereignis als Aufstand der Genossinnen gegen ihre Genossen wahr, und was dann geschah, dürfte bekannt sein. In vielen Universitätsstädten der Bundesrepu­blik wur­den Aktions- oder Weiberräte gegründet."

 
Sigrid Damm-Rüger arbeitet nach dem Studium am Bundesinstitut für Berufsbildung in Berlin mit Schwerpunkt Förderung der berufli­chen Bildung von Frauen. Sie ist dort als Vertreterin der ÖTV auch als Personalrätin aktiv. Sie erliegt 1995 in Berlin einer Krebserkran­kung.
 
Weitere Informationen: Ringvorlesung vom 1. Juni 1988 mit Sylvia Bovenschen, Sigrid Damm-Rüger und Sibylle Plogstedt, Moderation Halina Bendkowski in "Archiv APO und soziale Bewegungen"
 
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