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Sigrid Rüger im Henry-Ford-Bau Foto Raillon, Quelle: Universitätsarchiv der FU
Foto aus der Immatrikulationsakte von Sigrid Rüger Quelle: Universitätsarchiv der FU |
Sigrid Rüger, verh. Damm-Rüger (* 19. März 1939 in Dresden,
† 12. Dezember 1995 in Berlin) Sigrid Rüger besucht von 1959 bis 1956 in Wiesbaden das Helene-Lange-Realgymnasium für Mädchen und absolviert danach eine Lehre als "Bankkaufmann". Nach einem einjährigen Besuch der städtischen Schauspielschule Wiesbaden legt sie auf dem zweiten Bildungsweg am Hessen-Kolleg in Frankfurt am Main 1963 ihr Abitur ab und immatrikuliert sich im Wintersemester 1963/64 an der FU zunächst für die Studienfächer Theaterwissenschaft und Publizistik. Als berufliche Perspektive gibt sie in ihrer Studienbewerbung Dramaturgin oder Theaterkritikerin an. Nach einem Fachwechsel studiert sie von 1965 bis 1971 Soziologie und Politikwissenschaft. Sie arbeitet im hochschulpolitischen Arbeitskreis des SDS, wird 1964 studentische Sprecherin der Philosophischen Fakultät und 1965 Studentenvertreterin im Akademischen Senat der FU. Im Juli 1969 beantragt die Generalstaatsanwaltschaft die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Sigrid Rüger und vier ihrer Kommilitonen wegen Störung von Lehrveranstaltungen während der studentischen Streiks im Januar 1969. Das Strafverfahren wird jedoch nicht eröffnet, da die sozial-liberale Regierung Brandt nach ihrem Amtsantritt eine Amnestie für Demonstrationsdelikte verabschieden lässt. Infolge des Straffreiheitsgesetzes vom Mai 1970 werden über 5000 anhängige Verfahren gegen Beteiligte der Studentenbewegung eingestellt. 1968 ist Sigrid Rüger eine der Mitbegründerinnen des Aktionskomitees zur Vorbereitung der Befreiung der Frau (ab Mai 1968: Aktionsrat zur Befreiung der Frauen). Auf der 23. Delegiertenkonferenz des SDS, die am 13. September 1968 in Frankfurt am Main stattfindet, wirft sie hochschwanger aus Protest gegen die Diskussionsverweigerung der Sitzungsleitung drei Tomaten in Richtung des Podiums, eine davon trifft den Frankfurter SDS-Sprecher Hans-Jürgen Krahl. "Die Delegiertenkonferenz konnte nicht zur Tagesordnung übergehen, es wurde anhand einer über Nacht erstellten Resolution weiter über die Frauenproblematik diskutiert und die Delegiertenkonferenz musste vertagt werden. Die Medien nahmen das Ereignis als Aufstand der Genossinnen gegen ihre Genossen wahr, und was dann geschah, dürfte bekannt sein. In vielen Universitätsstädten der Bundesrepublik wurden Aktions- oder Weiberräte gegründet." Sigrid Damm-Rüger arbeitet nach dem Studium am Bundesinstitut für Berufsbildung in Berlin mit Schwerpunkt Förderung der beruflichen Bildung von Frauen. Sie ist dort als Vertreterin der ÖTV auch als Personalrätin aktiv. Sie erliegt 1995 in Berlin einer Krebserkrankung. Weitere Informationen: Ringvorlesung vom 1. Juni 1988 mit Sylvia Bovenschen, Sigrid Damm-Rüger und Sibylle Plogstedt, Moderation Halina Bendkowski in "Archiv APO und soziale Bewegungen" |